Der Sonnentempler Orden
"Der Tod existiert nicht, er ist nur eine Illusion."

3. Einbindung in die Gruppe

Mit Einbindung in die Gruppe meint Stamm den Schritt vom Teilzeit- zum Vollzeit-Mitglied. Dabei werden die bisherigen Lebenswurzeln abgeschnitten, und ein neues Leben wird im Schoss der Gesellschaft begonnen.

Bei Huguenin geschah die Einbindung eher durch die Involvierung seiner Frau und seiner Kinder in die Sekte. Dadurch, dass die ganze Familie am Weihnachtsfest der Sekte teilnahm, und Di Mambro in Nathalie später auch noch die Reinkarnation von Anthea, der Königin von Atlantis, erkannte, wurde Huguenins profane Welt in die Gegenwelt der Sekte hineintransportiert. Die Entscheidung zwischen Welt und Gegenwelt wurde hinfällig, da die beiden Welten so zur Deckung kamen.

Auch wenn die Huguenins nicht ins Sektenhaus zogen, wurden sie trotzdem mit dem harten Sektenalltag konfrontiert. Thierry half nach seinem Arbeitstag im Dentallabor, das Land hinter dem Stiftungsgebäude zu bewirtschaften, was bis tief in die Nacht dauerte. Dann ging er nach Hause zu den Kindern, damit Nathalie in die Stiftung gehen konnte, weil Di Mambro Antheas Schwingungen im Sanktuarium brauchte. Ausserdem half sie tagsüber in der Küche.

Die neuen Mitglieder erhalten durch die Überbelastung den Eindruck, die Erwartungen nicht erfüllen und deshalb auch ihr individuelles Heilsziel möglicherweise nicht erreichen zu können.

Nathalie und Thierry machten sich wegen der kleinsten Unaufmerksamkeit bittere Vorwürfe und fühlten sich immer leicht überfordert und frustriert. Dass diese Überbelastung über lange Zeit ausgehalten werden kann, erklärt Stamm damit, dass die Gruppen als Ausgleich das Gefühl der Geborgenheit bieten:

„Die Mitglieder sind vermeintlich alle Alltagssorgen los, müssen keine Verantwortung mehr für ihr Leben tragen und keine Entscheide selbständig fällen. Und sie fühlen sich unendlich erhaben im Bewusstsein, zum inneren Kreis der auserwählten Elite zu gehören, der angeblich die vornehme Aufgabe gestellt ist, die Menschheit auf den erlösenden Heilspfad zu führen.“

Bei den Huguenins war vor allem auch der Gedanke, zu den Privilegierten zu gehören, sehr stark, zumal die Erscheinung Mantanus, eines Meisters, der Elisabeth Auneau befruchtete, die so ein Wesen gleichen Ranges wie Christus empfing, in diese Zeit fiel.

In Phase 3 wird die Indoktrination mit moralischen Druckmitteln vorangetrieben. Die Novizen werden aufgefordert, ihr Leben zu ändern, sich für die Gruppe und ihre Ziele zu engagieren und mitzuhelfen, die erlösende Botschaft weiterzutragen. Evelyne Chartier sorgte dafür, dass die Huguenins ihr Leben änderten, bevor die Indoktrination richtig begonnen hatte, indem sie ihnen zum Beispiel vorschrieb, wie sie sich zu ernähren hatten.

In dieser Phase ist die Kontrolle über das Verhalten ein wichtiges Mittel der Indoktrination. Die Anhänger werden in ein strenges Arbeitsprogramm oder einen lückenlosen Stundenplan eingebunden, so dass keine Zeit für individuelle Bedürfnisse verbleibt.Schlaf ist so ein Bedürfnis, wofür Thierry und Nathalie nur noch drei bis vier Stunden Zeit blieb. Das hat seinen Sinn, denn Kultanhänger, die übermüdet sind, verlieren die Energie, nach dem Sinn und den Zusammenhängen zu fragen.

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