Der Sonnentempler Orden
"Der Tod existiert nicht, er ist nur eine Illusion."

2. Einführung in die Heilslehre

Haben sich die Angeworbenen in der ersten Phase von den Heilsversprechungen ködern lassen und ist ihre Sehnsucht geweckt, werden sie in der zweiten Phase in die Grundzüge der Heilslehre eingeführt.

Huguenins Sehnsucht war bereits nach der ersten Begegnung mit Di Mambro geweckt worden. Er glaubte, endlich seinen Führer gefunden zu haben, dem er nur noch zu folgen brauchte.

„Mein bislang wirres, chaotisches, zielloses Leben verlief plötzlich in festen Bahnen, ich hatte den Weg in die Tiefe meiner Seele gefunden, der von meinen vorangegangenen Inkarnationen vorgezeichnet worden war“.

Die Einführung in die Lehre erfolgte bei Huguenins erstem Wochenendseminar. Di Mambro sprach über seine Auffassung des spirituellen Lebens.  Huguenin machte sich ein ganzes Heft voll Notizen. Er verstand allerdings nur einen kleinen Teil von dem, worüber Di Mambro sprach. Er sagte sich aber: „Geduld, ich bin ja gerade erst dazugestossen.“

Dass nicht schon alles von Anfang an verstanden und durchschaut wird, ist eine wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Indoktrination.

„Denn es ist das oberste Gebot einer Indoktrination, dass die Opfer das Ziel ihrer Sehnsüchte nie erreichen, auch nicht vermeintlich.“

Auf diese Weise kann die Suchtdynamik schon früh eingeführt werden. Die Rückschläge führen dazu, dass sich die neuen Mitglieder den Kaderleuten stärker unterwerfen, da diese offensichtlich in ihren Erkenntnissen weiter fortgeschritten sind. Die Sekten versuchen bereits in dieser Phase, bei den neuen Anhängern eine neue Identität, die Sektenidentität, aufzubauen. Die bisherigen Lebenserfahrungen sollen verdrängt werden, da sonst die Gefahr besteht, die Kritikfähigkeit, die jeder erlernt hat, nicht völlig zerstören zu können.

Nachdem Huguenin einer Talarübergabe beiwohnen durfte und dabei auch noch ein Wunder erlebte, wurde er dringend dazu angehalten, mit keinem Aussenstehenden über die übernatürlichen Phänomene zu sprechen, das heisst, er durfte auch seiner Frau nichts davon erzählen. Dadurch baute sich die Sekte als mystische Gegenwelt zur seinen profanen Welt, in der er mit seiner Frau und seinen zwei Kindern lebte, auf. Er schreibt, er habe sich unwohl gefühlt und sei natürlich gleichzeitig fasziniert gewesen von dem, was er erlebt habe.

 

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